Digital überholt analog

Neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt bei der Transforming Media

 

Zur Eröffnung stellte der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, fest: “In der digitalen Mediennutzung erreichen Sie bei den bis 60 jährigen fast jeden, in der analogen Nutzung nur noch einen Teil und viele der Jungen gar nicht mehr.” Um auch in Zukunft Umsätze zu erzielen, müssen neue digitale Geschäftsmodelle gefunden und bereits bestehende weiterentwickelt werden.

Einer der Pioniere des digitalen Wandels in der Schweiz, Hansi Voigt, nahm in seiner Keynote den Ball von Präsident Schneider auf und fragte: “Warum ist es keinem einzigen Kutschenbauer gelungen Autohersteller zu werden?” Den Wandel früh anzunehmen, auch wenn er das bisherige Erfolgsmodell grundsätzlich in Frage stellt, ist für Hansi Voigt der Schlüssel zum Überleben. “Kutschenbauer waren einfach nicht in der Lage, gedanklich die Pferde zu subtrahieren. Das war ihr Untergang.”

Die Rettung des Lokaljournalismus versprach Sarah Heil von Merkurist.de. Mit ausgefeilter Technologie will das Startup aus Mainz die lokale Berichterstattung im Netz wieder finanzierbar machen. Ein klares und automatisiertes Abrechnungsmodell für Journalisten, die aktive Einbindung von Lesern und die Bereitstellung von umfangreichen Marktdaten für Werbekunden, hat Merkurist bereits in Mainz, Wiesbanden und Frankfurt erfolgreich umgesetzt.

Christiane Brandes-Visbeck von Ahoi Consulting wies auf einen ganz anderen Aspekt der Digitalisierung hin und stellte die Frage: “Was ist eigentlich mit ‘diesen Menschen’ im digitalen Wandel?” Damit Medienunternehmen digital etwas erreichen können, müssen sie ihre Mitarbeiter an Bord haben. Das bedeutet für Christiane Brandes-Visbeck, dass Führung von oben ausgedient hat und Mitarbeiter mit Ihren Stärken, aber auch mit ihren Schwächen ernst genommen werden sollten. “An den Mitarbeitern vorbei lässt sich kein neues Geschäftsmodell entwickeln.”

Konkrete Zahlen zum Verdienst mit neuen Werbeformen wie Native Advertising oder Branded Content gab es dann im Gespräch zwischen dem Moderator Richard Gutjahr und Karsten Lohmeyer, der bei THE DIGITALE für Content Marketing verantwortlich ist. So können bekannte Autoren mit eigener Reichweite und Community mehrere hundert bis 1.000 Euro mit einem Artikel verdienen. Für Einsteiger gibt es zwar deutlich weniger, gab Karsten Lohmeyer zu, doch dafür werden diese aktiv dabei unterstützt, ihre Bekanntheit zu vergrößern.

Was digitale Umsätze für eine der führenden deutschen Sportjournalismusmarken bedeutet, konnte Werner Wittmann vom kicker mit beeindruckenden Zahlen belegen. Das Digitalgeschäft hat mittlerweile die analogen Umsätze überholt und macht heute über 60% der Einnahmen des kickers aus. Integrative Ansätze bei der Werbung gibt es laut Wittmann beim kicker schon lange, jedoch werden auch regelmäßig Anfragen abgelehnt, die zu weit in den Gestaltungsspielraum eingreifen wollen.

Wie weitreichend die Folgen der zunehmenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz auch im Journalismus sind, machte der Medienanwalt und Berater Cliff Fluet aus London klar. Er zeigte Beispiele, wie selbstlernende Programme bereits heute in Newsrooms und Sozialen Netzwerken zur Produktion von Inhalten eingesetzt werden. Sein eindringlicher Appell an das Publikum war:  “Machen Sie sich klar, künstliche Intelligenz gibt es und sie wird bereits heute massenweise eingesetzt. Ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, hängt davon ab, wie wir damit umgehen.”

Wie lässt sich mit digitalem Journalismus Geld verdienen? Um diese Frage drehte sich die Transforming Media am 12.10. in Nürnberg. 180 Teilnehmer und 12 Referenten kamen zusammen, um über neue digitale Entwicklungen und Geschäftsmodelle im Journalismus zu sprechen. Veranstaltet wurde die Transforming Media von der Bayerischen Medienservice Gesellschaft in Kooperation mit dem Mediennetzwerk Bayern. Die Veranstaltung wurde unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.